Geschichte des Schützenverein Marcardsmoor

Aus der Vereinschronik...  (von Egon Friese)

 

Nach den noch vorhandenen alten Protokollbüchern begann alles am 23. Mai 1933 um 21:30 Uhr! 49 Anwesende trugen sich in eine Mitgliederliste zwecks Gründung eines "Kleinkaliber-Schießvereins zu Marcardsmoor" ein.

 

Schmiedemeister Harm Tjarks war der erste Vereinsvorsitzende, Otto Schulz aus Collrungermoor 2. Vorsitzender, zum Schrift- und Kassenführer wurden die Lehrer Friedrich Heidmann bzw. Heinrich Seegers gewählt. Zum 1. Schießwart ernannte die Versammlung Herrn Oberlandjäger Jacob Karch, 2. Schießwart Wilhelm Brunen und Gerätewart Tjebbo Barkhoff.

 

Der monatliche Mitgliedsbeitrag wurde auf 0,25 Reichsmark festgelegt. Am gleichen Abend wurde beschlossen, dass ein Schießstand gebaut werden sollte und alle Mitglieder wurden aufgefordert, abends pünktlich um 17 Uhr mit der Arbeit zu beginnen.

 

Die Verhandlungen über die Lage und Finanzierung des Schießstandes mit Herrn Carl Scharnhorst wurden dem Vorstand übertragen. Kreisleiter Remmers aus Leerhafe nahm den neugegründeten Verein sofort in den Kreisverband auf. Am 13. August 1933 wurde der neue Schießstand mit einem großen Preisschießen aller umliegenden Kleinkaliber-Schießvereine eingeweiht. Die Kosten des Neubaus betrugen 400 Reichsmark.

 

Im Juni 1933 wurden drei Schießgruppen aufgestellt. Zur 1. Gruppe gehörten alle Jungschützen bis 21 Jahre, zur 2. Gruppe die nicht militärisch ausgebildeten Vereinsmitglieder und zur 3. Gruppe die militärisch ausgebildeten Mitglieder. Weiterhin wurde im gleichen Jahr eine eigene Theatergruppe zur Ausgestaltung des Wintervergnügens aufgestellt.

 

Den ersten Schießwartlehrgang absolvierte 1934 Schützenbruder Friedrich Janssen in Bremen. Für jeden Schützen wurden Schießbücher mit Lichtbild angeschafft, erster Schützenkönig war Oberlandjäger Jacob Karch.

 

Aus dem Jahre 1935 ist zu erwähnen, dass die Schützen zum Bezirkslandesschießen in Upstalsboom morgens um 7:00 Uhr per Fahrrad antraten. Bei einem vorausgegangenen Übungsschießen verirrte sich die Kugel und durchschlug das Fenster des Bauern Johann Tholen. Bei dem erwähnten Bezirkslandesschießen am 08. September 1935 errang der Mitbegründer des Vereins Agnus Tjarks die seinerzeit hochbegehrte Ehrenscheibe.

 

Nachfolger des im Jahre 1936 wegen Arbeitsüberlastung zurückgetretenden 1. Vorsitzenden wurde der Oberlandjäger Jacob Karch, sein Stellvertreter wurde Harm Tjarks. 1938 erreichte Hermann Dirks nach seinem Sportleiterlehrgang beim Gauschießen in Bremen als Jungschütze einen hervorragenden 2. Platz.

 

Ein Jahr später war wieder ein Vorstandswechsel fällig, da Jacob Karch seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellte, Carl Scharnhorst wurde der neue Führer des Vereins.

 

Der 2. Weltkrieg unterbrach aus beim Schützenverein Marcardsmoor das Vereinsleben und viele Mitglieder kehrten nicht aus dem Krieg zurück.

 

Carl Scharnhorst war es, der am 05. Januar 1949 die erste Zusammenkunft organisierte und mit 64 Altschützen und 8 Jungschützen seine Arbeit neu beginnen konnte. Ein neuer Vorstand mit seiner Person und Karl Gerdes an der Spitze wurde gewählt, gleichzeitig wurde das erste Nachkriegsschützenfest terminlich festgelegt und eine neue Satzung ausgearbeitet. Erster Schützenkönig mit 27 Ringen wurde Erich Tjarks, Jungschützenkönig wurde Johann Brunen.

 

Von einem 1950 durchgeführten Preisschießen wurden 50 % des Reingewinnes dem damaligen hiesigen Fußballsportverein zur Kostendeckung des neuen Sportplatzes gespendet. 1951 erfolgte der Beitritt zum Schützenverband "Altes Amt Friedeburg", neue Schützenhüte wurden angeschafft, die ersten auswärtigen Schützenfeste (Moorlage, Friedeburg, Horsten) wurden besucht und eine neue Jungschützenkette wurde gekauft.

 

Im folgenden Jahr begann dann die 21-jährige Regentschaft des neuen 1. Vorsitzenden Carl Gerdes, 2. Vorsitzender wurde Hermann Dirks und Carl Scharnhorst sen. wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

 

Im Herbst wurde der Bau eines neuen Kleinkaliber-Schießstandes in Angriff genommen. Der Ehrenvorsitzende und Wirt des Vereinslokals Carl Scharnhorst war bereit, fast alle Baumaterialien kostenlos zur Verfügug zu stellen. Unter der Bauleitung von Ludwig Decker entstand nun ein schicker Neubau, wobei die Kosten von DM 3750,-- zwar arg an der Substanz des Vereins nagten, aber Dank einer soliden Finanzpolitik des langjährigen Kassierers Coob Buss und der freiwilligen Mitarbeit aller Mitglieder getragen werden konnte. Der Verein war mit Recht sehr stolz auf einen der schönsten Schießstände im weiteren Umkreis.

 

Unvergessen aus den 50er und 60er Jahren ist die Kapelle Drechsel aus Jever und die Karussellbesitzer Friedrich Schröder, Etzel und Kruse, Heidnühle. Alle Unternehmen waren jahrelang sehr eng mit dem Verein verbunden.

 

1. Vereinsmeister und Verbandsjugendmeister wurde 1953 der langjährige 1. Vorsitzende Johann Rademacher I. Zu dieser Zeit begann auch die große Ära der Schießgruppe mit den Kameraden Hermann Dirks, Ludwig Decker, Johann Rademacher I, Aljet Rademacher und Friedrich Heinen, die unzählige Meistertitel, Pokale, Plaketten und Urkunden bei auswärtigen Schützenfesten erringen konnten.

 

1955 erfolgte der Beitritt zum Ostfriesischen Schützenbund, neue Schützenjacken wurden angeschafft, das Vereinslokal erhielt den Namen "Schützenhof", Johann Müller wurde neuer Schriftführer. Eine neue Vereinsfahne wurde bei dem bekannten Fahnenmaler Bernhard Remmers in Leerhafe bestellt.

 

Den Titel des 25. Jubiläumsschützenkönigs im Jahr 1958 konnte nach hartem Kampf Hermann Dirks und bei den Jungschützen Albert Heinen erringen. Am 22. November 1959 war der Tod des langjährigen Vorsitzenden und Ehrenpräsidenten Carl Scharnhorst sen. zu beklagen, zwei Jahre später folgte der neue Vereinswirt und Schützenkamerad Carl Scharnhorst jr. seinem Vater.

 

1963 wurde endlich die solange gewünschte Kegelbahn angeschafft, Ludwig Decker errang die Würde eines Verbandskönigs und Wilhelm Janssen wurde neuer Vereinswirt im "Schützenhof".

 

Dank seiner 25-jährigen Vorstandsarbeit erhielt der Vereinsvorsitzender Karl Gerdes im Jahre 1964 vom Kreisverbandsvorsitzenden "Altes Amt Friedeburg" Herrn Wübbene, das goldene Verdienstabzeichen des Norddeutschen Schützenbundes. Gleichzeitig wurde Kamerad Gerdes zum Präsidenten des Vereins ernannt.

 

Er war es auch, der 1972 den Neubau eines Luftgewehr-Schießstandes mit allen Mitteln förderte. Die gesamten Bauarbeiten wurden von 61 Schützen in Eigenleistung erbracht. Durch Leistung von 1576 freiwilligen Arbeitsstunden konnten die Kosten von DM 11.000,-- im Rahmen gehalten werden. An Spenden erhielt der Verein von der damaligen selbständigen Gemeinde Marcardsmoor und der Kriegerkameradschaft Marcardsmoor je DM 2.500,--. Durch diese Spende erhielten die Kriegskameraden das Recht, den Schießstand unentgeltlich zu benutzen.

 

1973 begann die Zeit der Rademachers. Johann Rademacher I. wurde neuer 1. Vorsitzender, Johann Rademacher II neuer Sportleiter und Aljet Rademacher eilte mit seiner Jugend bei Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften von Sieg zu Sieg. Auch wurden bei den deutschen Meisterschaften in Wiesbaden hervorragende Plätze belegt. Hier ist besonders Heyo Müller, der heutige 2. Vorsitzende, zu erwähnen, der es bis zur Europameisterschaftsqualifikation schaffte.

 

1974 stellte erstmalig Göke Claassen aus Burhafe sein Festzelt auf und ist bis heute dem Verein treu geblieben. Artur Niehoff wird für die nächsten 23 Jahre Festausschussvorsitzender und organisiert die erste große Tombola. 1975 wird eine Damenkönigskette gekauft und der 1. Königin Waltraud Jürgens, geb. Tjarks übergeben. Neuer Vereinswirt und Mitglied im Verein wird 1977 Theodor Schrage.

 

Fernsehaufnahmen vom sonntäglichen Festumzung wurden 1978 für einen neuen "Ostfriesland" Film gemacht.

 

Den ersten "Ball der Jugend" mit der Gruppe "Weekend und Sängering Elvire" wurde 1979 am Freitagsabend gestartet und wird bis heute mit dem "Disco-Truck" veranstaltet. Weitere Neuerungen waren in den 1970`er Jahren: Teilnahme an Versammlungen nur noch in kompletter Schützentracht, statt Fliege nur noch mit Krawatte und der Königsball wird immer am 3. Samstag im Februar gefeiert.

 

Hans Heinrich Flessner errang 1980 die Würde des Verbandsjugendskönigs. Der Schützenverein verbrauchte im gleichen Jahr ca. 40.000 Schuß KK und LG Munition und die Planung bzw. der Bau einer neuen Toilettenanlage wurde in Angriff genommen. 1982 verstarb unser Kassenwart Coob Buss, der 43 Jahre für den Verein das nötige Kleingeld besorgte und verwaltete.

 

Zum 50-jährigen Jubiläum waren die Marcardsmoorer Schützen Ausrichter des Kreisverbandsfestes in der Festhalle Wiesmoor mit Jubiläumskönig, dem Malermeister Folkert Folkerts aus Upschört. Zum Jubiläum wurde erstmalig die Verdienstnadel des Vereins ausgegeben, die bis heute in 25 Jahren im Schnitt nur einmal jährlich verliehen wird. Ludwig Decker wurde nach 27 Jahren Tätigkeit zum Ehrenkommandeur ernannt und Aljet Rademacher wurde Verbandskönig. Hermann Dirks wirkte 33 Jahre als 2. Vorsitzender und trat 1985 zurück.

 

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme am 35. deutschen Schützentag 1986 in Osnabrück, mit der damaligen Verbandskönigin Andrea Groß, geb. Janssen.

 

Ein Jahr später fand das erste Freundschaftstreffen mit dem Boßelverein Akelsbarg statt. Diese Freundschaft hat bis heute gehalten und soll selbstverständlich auch weiter gepflegt werden.

 

Im gleichen Jahr wurde beschlossen eine neue Vereinsfahne zu kaufen. Die Kosten von DM 4605,-- wurden durch Spenden und eine einmalige Umlage aller Mitglieder aufgebracht.

 

1988 musste der 1. Präsident des Vereins, Karl Gerdes, zu Grabe getragen werden und Johann Müller trat nach 34 Schriftführertätigkeit zurück. Sein Nachfolger wurde Egon Friese.

 

Im Jahre 1990 wurde Johann Rademacher I zum Präsidenten gewählt, eine neue Satzung vom Schriftführer ausgearbeitet und die KK-Anlage renoviert. Gleichzeitig begann die Schießkarriere von Ulrike Budde, geb. Tammen, die bis zum heutigen Tag viele Erfolge regional und überregional feiern konnte und kann. Sie hat mehrfach zur Qualifikation zur EM teilgenommen und hat mehrere Jahre in der 1. Bundesliga geschossen.

 

Die Brüder Henri und Hartwig Liebenau errangen 1991 nicht nur die Königswürde in Marcardsmoor, sondern wurden auch noch Bundes- bzw. Verbandskönig, was einmalig in der Geschichte des OSB ist. Der langjährige Jugendsportleiter Aljet Rademacher, der in der Geschichte des Vereins unvergessen bleiben wird, verstarb 1992. Heide Janssen wurde Verbandskönigin und Johann Rademacher I wollte sich den 50. Pokal holen. Dieses Vorhaben gelang dann im folgenden Jahr. Der letzte Mitbegründer des Vereins, Agnus Tjarks verstarb im jahre 1994.

 

Eine neue Kegelbahn musste 1995 in Eigenbau angeschafft werden, die Vereinsmitglieder gewannen sagenhafte 25 Pokale in einem Schießjahr und Artur Niehoff schied nach 23 Jahren als Festausschussvorsitzender aus. Nachfolger wurde Albert Heinen.

 

Die erste silberne Ehrennadel des niedersächsischen Landessportbundes im Schützenverein Marcardsmoor wurde Johann Rademacher I 1997 verliehen und im folgenden Jahr errang Daniela Möller den Titel einer Bundesjugendkönigin.

 

Ein bedeutendes Jahr war 1999. Der Präsident Johann Rademacher I trat nach 26 Jahren als 1. Vorsitzender nicht mehr zur Wahl an. Er übergab einen gut funktionierenden Verein an seinen Neffen, dem heutigen 1. Vorsitzenden, Johann Rademacher II. In der Amtszeit des Präsidenten fielen u.a. 74 Schützenversammlungen. In der gesamten Zeit war Ehefrau Margret immer dabei und unterstütze jederzeit ihren Mann und den Schützenverein. Als Dank für seinen Einsatz wurde Johann Rademacher I einstimmig zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt.

 

Um die Gemeinnützigkeit zu erlangen, musste im Jahre 2000 wieder eine Satzungsänderung beschlossen werden. Im folgenden Jahr war der SV Marcardsmoor wieder der Ausrichter des Kreisverbandsfestes, das heute so beliebte Löffelschießen wurde eingeführt und ein Trainingscomputer wurde angeschafft.

 

Ein größeres Bauvorhaben war 2003 eine neue Deckung der KK-Anlage und 2005 wurde der 1. plattdeutsche Gottesdienst mit dem neuen Marcardsmoorer Pastor Holger Rieken veranstaltet.

 

Aus der Königsliste geht hervor, dass Hermann Dirks fünffacher König des Vereins war. Je 3 Titel holten Johann Rademacher I, Ludwig Decker, August Glaubitz, Harals Tjarks, Bernhard Münk und Helmut Saathoff. Je 3 Titel bei den Damen gewannen Heide Janssen und Iris Schoon, geb. Liebenau. Den selten vergebenen Verbandsorden erhielten die Schützen Aljet Rademacher, Johann Müller, Johann Rademacher I, Harald Tjarks und Egon Friese.

 

Der Schützenverein Marcardsmoor hat heute 116 Mitglieder und ist ein Verein, der aus dem dörflichen Leben dieser Moorkolonie nicht mehr weg zu denken ist. Die jetzigen Vorstandsmitglieder sind ein Garant dafür, dass ein gesundes Vereinsleben erhalten bleibt und durch die aktive Nachwuchsarbeit der Verein sich weiter positiv entwickelt und somit die sportlichen Erfolge nicht ausbleiben werden.